English version Experimente - Wasserstoff
Bevor Du auf meinen Experimentierseiten liest, schau Dir bitte folgende Seite kurz an.

Der Knallgaseffekt

Kracher und Co. hatten schon immer eine starke Wirkung auf mich. Wen wunderts, wenn man als Kind an Fastnacht die anderen mit ihren Spielzeugpistolen schiessen gesehen hat oder an Sylvester die Böller einem die Ohren kurzzeitig ausser Gefecht gesetzt haben.

Vor einiger Zeit haben wir uns auch dran gemacht, den Ohren auf den Pelz zu rücken.

Der erste Streich: Elektrolyse

Das kennst Du bestimmt noch aus der Schule: Der Lehrer füllt einen Luftballon mit Wasserstoff und Sauerstoff und hält ihn in mehr oder weniger sicherer Entfernung an eine Kerze. Das Resultat ist natürlich klar und der Knall in einem kleinen Klassenzimmer ohrenbetäubend, fast jedenfalls. Wir haben uns nun also dran gemacht, dieses fast zu eliminieren - mit Erfolg möchte ich noch vorwegnehmen.

Doch vor den Knall setzten die Physiker die Elektrolyse, also die Zerlegung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff durch Strom. Dabei gilt natürlich je mehr Strom, desto mehr Wasserstoff, und wir wollten richtig viel Wasserstoff (für unsere Verhältnisse viel). Es begann also die Versuchsreihe Elektrolysegerät. Dabei gab es drei große Probleme: Woher den vielen Strom nehmen? Wie den Wasserstoff möglichst rein abzweigen und sicher speichern? Was für Elektroden sind zu nehmen? Die letzte Frage möchte ich zuerst erläutern. Denn bei der Elektrolyse zersetzen sich die Metallelektroden, wenn sie nicht gerade aus einem für uns zu teuren Edelmetall sind, mächtig schnell und hinterlassen dabei meist einen ziemlich eckligen Schleim. Deshalb schied normales Eisen recht schnell aus, es hinterlässt ein braunes Gemisch aus Brocken und Schleim. Auch Kupfer ist nicht das Wahre, da es mit dem durch Salz leitfähig gemachten Wasser reagiert und Chlor freisetzt. Das explodiert zwar auch, doch stinkt auch höllig. Blieb also nur noch Aluminiumdraht, den wir von einer Straßenbaustelle abgezweigt hatten. Er zersetzt sich zwar auch, doch zu einem weißen Schleim und es ist weitaus angenehmer mit einem weißen Schleim zu arbeiten, also mit so 'ner braunen Brühe, wirklich. Da bei Alu auch kein gasförmiges Chlor frei wird (es ragiert schon vorher wieder mit irgendetwas) kann man alles auch einfach in ein abgedichtetes Marmeladenglas stecken, aus dem jetzt zwei Drähte und ein Schlauch herausschauten. Das Problem mit dem Strom haben wir nie richtig gelöst. Ideal wäre ja eine Autobatterie, da die richtig Saft hat, doch solche Teile sind auch wieder saftig teuer. Blieb uns also "nur" ein Aufladegerät für Autobatterien. Das schaffte immerhin 6 Ampère. Doch nun hatten wir ein neues Problem: Bei Elektrolyse wird das Elektrolyt und somit das ganze Gefäß sehr warm und bei 6 A so warm, daß wir befürchteten, es würde uns etwas am Deckel kaputtschmelzen. Also steckten wir das Marmeladenglas noch in einen größeren Behälter, in den wir mit einer Pumpe für Scheibenwaschanlagen kaltes Wasser reinpumten und von Zeit zu Zeit austauschten. Die Lagerung war zum Schluß auch recht simpel. Wir nahmen einen großen Eimer, füllten ihn mit Wasser und tauchten in ihn umgekehrt ein 5-Liter-Gefäß rein. Da kamen zwei Schläuche rein (ein Eingang und ein Ausgang) und das war's schon. Zum Schluß konnten wir das Gefäß in ein paar Stunden wieder nachfüllen.

Der zweite Streich: Knallgas in der Anwendung

Nun kam der spaßige Teil: Man nehme etwas Wasserstoff, fülle es in ein Reagenzglas, lassen ein wenig Platz für Luftsauerstoff, stecke zwei am Ende abisolierte Kabel dazu, die am anderen Ende mit einem Piezozünder (so'n Ding wie in modernen Feuerzeugen) verbunden sind, drücke auf selbigen und ... boooooom. Langsam steigerten wir die Mengen, wechselten die Gefäße und stecken vorne feuchte Watte hinein, die bald darauf an der gegenüberliegenden Wand klebte. Das brachte uns auf die Idee, kleine Pistolen zu bauen. Sie hatten dann auch alles, war das Herz begehrt: Pieroelektrische Abzugszündung, Lauf für Murmeln mit Adapter für Erbsen und als Highlight ein Laserpointerzielsystem. Das Teil war wirklich gut. Ich möchte aber lieber nicht wissen, was die Nachbarn gedacht haben, bei dem doch recht ordentlichen Abschussgeräusch (*grins*). Doch da ich gerade bei richtig lauten Explosionen bin, darf ich folgendes wohl auch nicht vergessen: Wir hatten unseren 5-Liter-Tank mal wieder mit Wasserstoff gefüllt, aber nicht ganz, sondern so, daß noch genug Luftsauerstoff für eine schöne Reaktion drin war. In den Deckel wurde ein Zünder (einfach eine dünne Ader aus Litzenkabel) angebracht. Nun konnte man das Gas aus sicherer Entfernung mit einer Spannungsquelle zünden, was wir dann auch getan haben. Dabei waren wir im Haus und der Tank vor dem Haus (das Kabel führte zwischen Fenster und Fensterrahmen vorbei). Der Knall war so laut und die Druckwelle so groß, daß uns die Fensterscheibe wohl beinahe ins Zimmer geflogen wäre und 100 m weiter noch jemand auf die Straße gerannt ist, um zu sehen, wo der Verkehrsunfall denn stattgefunden hat.

Der dritte Streich: Zünder auf Zeit

Irgendwann wird Wasserstoff aber auch langweilig. Also stiegen wir um auf Sylwesterkracher und bauten uns aus ihnen Zündkapseln und einen dazugehörigen Zeitzünder. Das ist eigentlich ganz simpel: Man nimmt eine kleine Glühbirne und entfernt ein Sück des Glaskolbens. Darein kommt nun etwas Schwarzpulver aus einem Kracher, wonach man die Einfüllöffnung wieder mit etwas Kleber verschließt. Den Zünder habe ich aus einem elektronischen Timer (einer art elektronischer Eieruhr) gebaut. Hier wurde parallel zum Piezo-Lautsprecher einfach ein Relais geschaltet welches über eine separate Spannungsquelle dann die Glühbirne zum leuchten bringt und ... wummm.

Die Zündkapsel kann man nun in andere Kracher oder anderen Sprengstoff stecken und aus sicherer Entfernung zünden. Ich weise aber an dieser Stelle darauf hin, daß das arbeiten mit Sprengstoff ohne die von staatlicher Seite vergeben erforderlichen Scheine und Nachweise verboten ist und zudem höchst gefährlich ist. Deshalb werde ich hier mit meinen Ausführungen auch aufhören müssen.

Ich werde noch versuchen, einige Bilder für diese Seite aufzutreiben, kann aber leider nichts versprechen.

Kontakt
Letzte Änderung dieser Seite: Mar 21, 2002